Hallo! Mein Name ist Hugin...
...und meine Horex 400 ist seit 2.Mai "fertig"!
Also knapp vor meinem Eintritt ins österreichische Bundesheer am 4.5. Da ich in Zwölfaxing stationiert bin, was mit öffentliche Verkehrsmittel ziemlich blöd erreichbar ist, brauche ich meine Regina, um hin und wieder zurück zu kommen!
In den Tagen vor dem 4.Mai ist viel passiert. Nach den ersten Ausfahrten in Wien und Umgebung zeigte es sich, daß ungewöhnliche Vibrationen an der Maschine auftraten. Da mir der Vergleich fehlte, vergingen ein paar Tage, genauer: das Wochenende vor meinem Einrücken - in denen sich die unmöglichsten Verschraubungen lockerten. Es zerbeutelte sogar den Tacho - intern! - also nicht die 2 Schrauben, die das Ziffernblatt fixierten sondern irgendwas anderes, was sich nicht durch die große Mutter unter der Tachowellen-Befestigung feststellen ließ. Und der Deckel vom Öltank schraubte sich permanent von selbst auf. Schrauben gingen verloren (vorderer Kotflügel) oder lockerten sich an unangenehmen Stellen (Schalldämpfer, Krümmer, Kotfügel hinten).
(Den wahren Grund für die Vibrationen sollten wir erst sehr viel später finden!! Diese Zeile wurde viele Jahre später eingefügt)
Am darauffolgenden WE machte sich der Sen. drüber. Zusammen mit Richard, dem 3.Mann im "Horex-Rescue-Team" ging es zu einem Testgelände, wo ungestört untersucht werden konnte, was der Grund der Vibrationen war.
Heraus kam, daß das Hinterrad einen Achter hat (nicht genau eingespeicht war) und - daß die Antriebskette wie wild herumarbeitete (im unteren, "lockeren" Teil) und auch zur Seite hin- und herarbeitete. Es war das Spiel der Kette nicht übermäßig, trotzdem stellten wir es etwas knapper - und siehe da, die Vibrationen waren geringer, aber weit davon entfernt, weg zu sein. Lösungsvorschlag von Richard: ein Kettenspanner muß her.
Dann war die Woche BH dazwischen (ausreichend unterhaltsam!) und am WE drauf ging es los. In den Untiefen der Werkshalle wurde nun nach einem geeigneten Teil gesucht. "Ich hab so viele japanische Enduros und Trialmaschinen, da wird schon irgendwas dabei sein", hatte mein Paps gemeint. Nach eingehenden Sichtungen - so richtig aufdrängen wollte sich kein geeignetes Teil, wurde einer Beamish-Suzuki 250 der Kettenspanner abgeluchst. Einige Schweißarbeiten später war das Ding an seinem neuen Bestimmungsort.

Was soll ich sagen! Es machte seine Arbeit perfekt. Plötzlich waren die Vibrationen weg und das Ketten-Spiel konnte großzügiger bemessen werden. Soweit sogut - wie sich weiter unten zeigen wird, war das eigentliche Problem noch nicht behoben, bloß eines der Symptome neutralisiert.
Da am Wochenende vor Pfingsten der geplante Umbau der Horex auf den NSU-Konsul-Tank nicht klappte und die Krümmer mit anderen Teilen für das Verchromen hergerichtet werden sollten - was eine Ersatz-Auspuffanlage notwendig machte - blieb die Horex in Wien. Es schüttete sowieso heftig am Abend des Tages, an dem ich wieder in der Kaserne sein mußte - da war das Hingebracht-werden mit dem Auto nicht ungünstig (für alles andere war bereits die Zeit zu knapp).
----------------------- EINSCHUB vom SEN.! -----------------------
Während Hugin die Woche über wieder beim Heer war, habe ich mehrere Tage hindurch versucht, den Konsul-Tank einbaufertig zu bekommen. Also ging es erstmals auf der Horex hinaus über "die Tangente" Richtung Werkhalle. Dabei fiel mir etliches auf, was so nicht in Ordnung war.
- die Gabel war verzogen
- bei Vollast verringerte sich das Kupplungsspiel dramatisch gegen Null
- eine Haltestrebe für den hinteren Kotflügel war gebrochen, wodurch sich der Kotflügel aus der Mitte nach links verzog (von hinten betrachtet)
- der Öltankdeckel schraubte sich immer wieder locker
Neben diversen Spachtel- und Spritzkit-"Orgien" an den Kotflügeln (mit zwischenzeitlichen Trocknungs-Phasen bis zum nächsten Tag) war in den Pfingsttagen Intensiv-Pflege angesagt (das Ding MUSS fertig werden, damit es am Montag Abend wieder Shuttle-Dienst zur Kaserne machen kann).
Die Reparatur der Haltestrebe war zeitraubend, weil die Konstruktion bei der Rahmenbefestigung unterdimensioniert war. Aber: "man" schweißt ja gerne!
Die Behebung des Öltankdeckel-Problemes war auch mühsam. Grund für des selbsttätige Aufschrauben war übrigens der eingebaute Öltemperatur-Meßstab, der ein Gegengewicht darstellte, wodurch sich das Ganze munter und fröhlich in kürzester Zeit (150m fahren IST kurz!) aus der Verankerung herausdrehte.
Die Sache mit dem Kupplungsspiel war am Interessantesten! Wodurch -so fragte ich mich - sollte sich ein Kupplungsspiel unter Voll-Last deutlich verringern? Auf Grund der Konstruktion bedeutet dies, daß sich der Kupplungskorb (sitzt links am Motor) mit der Welle nach rechts (Richtung Antriebs-Ritzel) verschob (die Kupplungsdruckstange verläuft von rechts durch die Ritzel-Welle zur Kupplung).
Und dann dämmerte es ...
Das Ritzel wurde (unter Last) nach rechts herausgezogen. Durch die Kette! WEIL RITZEL UND KETTENRAD NICHT FLUCHTETEN!!!!!
Das war also der Grund für die schauderhaften Vibrationen. Die Kette führte im unteren, lockeren Teil eine Walk-Bewegung durch, weil es einen Versatz gab. Eine fluchtende, sehr lockere Kette kann zwar rauf- und runterschwingen - sollte aber schwingungsneutral bleiben (abgesehen davon, daß sie irgendwann z.B. am Alugehäuse unterhalb Material abfräst!). Der Kettenspanner verhindert nun zwar die seitliche Bewegung, die wirkliche Lösung des Problemes liegt aber im richtigen Ausdistanzieren des Hinterrades. "Schuld" trägt sicher hauptsächlich der selbstgebaute hintere Rahmen, und die Messungen, die am kommenden Wochenende stattfinden, werden vermutlich auch einen Versatz der Radspur ergeben (mit dem Ballonreifen war das vorher nichts o leicht auszumachen - und von der Straßenlage macht sich ein 2-3mm außermittiges Hinterrad nicht so dramatisch bemerkbar, zumindest nicht in den Geschwindigkeitsbereichen, die mit einem alten 22PS-Langhuber abgedeckt werden!
Blieb dann noch die Ersatz-Krümmer-Anlage. Ich mein, man hat ja! Standard-Krümmer, kurze Horex-Töpfe, hochgezogene Krümmer (von der SB35) und dergleichen. Irgendwas sollte schon passen. Am 23./24. war Hugin mit dabei und konnte sich ausreichend für die hochgezogenen Rohre - in Verbindung mit den kleinen Horex-Schalldämpfern - erwärmen. Zum Glück waren diese lang genug, um auch bei verlängerten Rahmen bis zu den Schalldämpfern zu reichen. Wenn auch knapp. Da die Füße des Fahrers durch die "Vorverlegung" der Fußraster nun weiter vorne sind, war eine Hitzeschutz bei den hochliegenden Krümmerrohren wichtig - das wurde durch respektlosen Umbau von Hitzeschutz-Lochblenden einer Norton 750S bewerkstelligt. Fotos folgen!
Am 24.Mai um 23:00 ging es auf der Horex wieder retour. Der Sound aus den originalen Horex-Töpfen war überraschend gut, Und wir hatten das gute Gefühl, daß "unsere" Horex immer besser und zuverlässiger wurde.
Nun steht sie unter der Woche irgendwo in einer Kaserne und träumt (ähnlich dem Goggomobil aus dem Lied "Das Fräulein Vera" von Pirron&Knapp) von den Reisen und Abenteuern, die vor ihr liegen. Es gilt wieder, die Welt zu entdecken und einem weiteren Menschen ans Herz zu wachsen. Damit das Eigene laut schlagen durfte. Mit 91,5mm Hub.
Das Leben ist ist nicht nur schön - sondern auch nie vorbei!
Auch für ein Motorrad ...