... ist vor der Motor-Instandsetzung
Jetzt haben wir endlich den Motor wieder zusammen, die defekten Gewinde repariert, alles penibelst abgedichtet, die speziellen M7 Linsen-Senkkopfschrauben, die die Motorgehäusehälften zusammenhalten (eben an den nun wieder "guten" Gewindebohrungen), erneuert, neue Simmeringe, neue Lager, den ganzen Motor glasperlgestrahlt, Zylinder sandgestrahlt und lackiert und stolz zurück nach Wien gefahren ..... um nach der Ankunft den Schock zu erleben: der Motor ist NICHT dicht. Mehrere Stellen unten am Motor, rechts unten bei der Ölablaßschraube (24er-Schraubkopf), auch beim Öltank hinter dem Motor tritt ziemlich viel Öl aus. Außerdem lauft der Motor komisch. Mein Vater meint. er klingt jetzt lauter, härter. Außerdem schlagen immer wieder Stichflammen aus dem Schalldämpfer (mit lautem Knall). Wir verstellen die Zündung von ca 35 Grad auf 40 Grad, aber es macht keinen Unterschied. Die Maschine stirbt immer wieder, fast mitten im fahren ab - irrsinnig nervig in der Stadt!
Dabei schaut sie nun besser, als je zuvor aus: mit Tankemblemen und der frisch verchromten Krümmer-Anlage.

Unter der Woche hat mein Vater sich das Ding zur Brust genommen (ich fuhr in der Zwischenzeit mit der MZ 250 - ich sag nur: 2-Takter-Moped!!). Der Öltank hatte tatsächlich einen Riß im Falz zwischen Ölstutzen und -Tank. alles ist nun rundum fett und gleichmäßig mit Messing-Lot abgedichtet. Aber bei den unteren Motorschrauben wird und wird es nicht dicht. Auch danach nicht.
Am Sa, 9.August ist Veteranen-Flohmarkt in St.Pölten und Freund Richard, der lange vor uns vor Ort ist (wenn die Woche beim Heer "verraucht", muß ich das "Gesellschaftsleben" in die geringen Zeiträume zwischen Heer und Motorrad fertigstellen reinquetschen, das braucht stets gute Teile des Freitag Abend - und dann komm ich nicht so früh auf!!) meldet, daß ein Horex-Händler mit Neuteilen anwesend ist.
Wie im Paradies! Der hatte alles, was das ausgebrannte Herz eines Horex-Aficionados begehrt. Schließlich wurden Bowdenzüge, Motor/Rahmen-Gewindestange, frische M7-Schrauben in Spezial-Längen erstanden, mehr gab die Geldbörse nicht her. Erst später stellte sich heraus, daß es sich bei dem Händler um Albert Eringfeld handelt. Den kannte mein Vater vom Namen her aus diversen Horex-Foren. Eine gute Adresse für Horex-Teile (
Auf dem Flohmarkt wartete außerdem (m)ein Wunschtraum genau auf mich! Mein Helm - und noch dazu in meiner Größe. Und in einer Preisklasse, die die Ausgabe rechtfertigte. Das ist er!

Freitag (14.Aug.) machten sich mein Vater und Freund Richard über die Ventilsteuerung, mein Vater faselte die Tage davor immer von einer möglicherweise nicht exakt eingestellten Nockenwelle. tatsächlich ist das Nockenwellen-Rad um einen Zahn zu spät verzahnt. "Des kann ned funktionieren" (der blizzwerk sen.!) fühlt sich in seiner Vermutung bestätigt - ich finde: hätte er sich beim Motorzusammenbau ein bißerl zusammengerissen, wäre mir einiges an fahrfrust erspart geblieben. Die Leidensfähigkeit ist selbst bei Enthusiasten irgendwann zu Ende! Aber da nach jedem (behobenen) Rückschlag meine Horex besser funktioniert als jemals zuvor, ist alles Leid schnell verdrängt (aber nicht vergessen!).
Als wir am Samstag spätabends - OK, es war frühmorgens -mit allen Umbauten fertig waren und nach Wien zurück wollen - regnet es. Ansich nichts Schreckliches - aber ich fuhr mit dem Auto mit hinaus (die Maschine war ja bereits dort) und hatte weder Helm noch Handschuihe. Irgendein Helm war bald gefunden, aber keine Handschuhe - also mußte ein Paar Arbeits-Handschuhe her!
Auf der Rückfahrt um ca 3:30 Uhr dann das Undenkbar, das Unaussprechliche, das "Du-weißt-schon-was"! Motoraussetzer und - aus, die Maus!
Mein Vater dahinter im kleinen Wagen. Zumindest bin ich nicht alleine. Wir finden eine herausfibrierte Sicherung im Seitenkasten und eine beinahe ganz herausgeschraubte 2.Zündkerze (habe vorauseilend die Doppel-Zündspule mit der 12v-Anlage mitbestellt und muß nun, solange kein Gewinde für die 2.Kerze gemacht wird, diese außen befestigen. Zündkerzen sind aber nicht dafür gebaut, im Freien bei Regen zu funktionieren.
Beides wird behoben. Wir treten abwechselnd die Maschine an, also: versuchen es. Manchmal rennt sie für 10, 15 sek. und dann wieder minutenlanges Antreten ohne einer einzigen Zündung. Das Zündschloß, daß seit je mit Kurzschlüssen nur so um sich wirft (glücklicherweise ist stets eine "ewige" Sicherung im Seitenkasten betroffen, an der ich nur ein kleines Stiftchen wieder versenken muß) kann schuld sein, die ungenügend wasserdichte Elektrik unter dem Tank vorne auch.
Dann kommt eine Autobahnstreife der Polizei vorbei. Die 2 Beamte sind sehr entspannt und wirken hauptsächlich müde (kein Wunder, mittlerweile ist es 4:00 vorbei!). Wir erklären ihnen, daß nun ein Abschlepp-Fahrzeug geholt wird, daß die Maschine wegbringt. Das reicht ihnen und sie fahren weiter.
Nach weiteren ergebnislosen Startversuchen holt mein Vater das "Wisent" (unseren VW LT). Das dauert natürlich. Als er kommt, entsteht bald darauf dieses Bild!

Irgendwann nicht viel vor 6:00 Uhr sind wir wieder zurück in der Werkstatt. Und pennen da. Nur nicht über die laufunwillige Maschine den Kopf zerbrechen, morgen ist auch noch ein Tag.
Irgendwann um 12:00 sind wir munter und nun geht es schnell. Neues Zündschloss hinein (nicht original, aber ausreichend passend). Alle möglichen Elektrik-Probleme werden ausgemacht und besser verlegt, "verschrumpfschlaucht" und/oder mit einem selbstverschweißenden Klebeband sauber abgedichtet. Positiver Neben-Effekt: der adaptierte Konsul-Tank flutscht jetzt auf den rahmen drauf wie nix - davor war das eine blöde Fummelei! Und die 2. Zündkerze bekommt ein Metallgehäuse "herum", sodaß sie nicht mehr mit Regen in Berührung kommt. JETZT ist die Maschine endlich WIRKLICH fertig. Mal von dem nervigen Ölverlust abgesehen!
Aber das kriegen wir auch noch hin.
Mein Vater sinniert seit ein paar Tagen über ermüdete Kolbenringe, die u.U. Abgase in den Motorraum durchlassen und dadurch zu einem inneren Überdruck führen. Mal sehen.