Von den dunklen Moped-Anfängen bis ...

Mein erstes Gefährt: eine Aprilia Rally. Immerhin soweit "aufbereitet", daß das Ding knapp 100 Sachen auf die Strasse brachte (allerdings mit einem Benzinverbrauch von ca 9 Liter/100km).
Im Fuhrpark des Vaters gammelten richtige Schätze herum. Aus irgendeinem Grund, vielleicht auch nur, weil er sie so besonders schätzte, gefiel mir schon als Kind die Horex, die er hatte. Daß das Modell eine Horex Regina aus dem Jahre 1954 war und mit 400 cc nur 22 PS auswarf, war unwesentlich. Es blieb einfach als Symbol für etwas Begehrenswertes haften. Ein paar Jahre vergingen, dann kam die Aprilia, die den harten Ansprüchen eines jugendlichen Besitzers nicht lange gewachsen war. Aus einem extra für mich auf neu hergerichteten Roller wurde innerhalb eines knappen Jahres ein umfangreiches Restaurations-Objekt, dessen Reparatur sich kaum lohnt ... - meint er! Ich finde es nicht so tragisch, Dinge zerfallen eben - aber das ist ein wunder Punkt in unserer Kommunikation!
Nachdem mein älterer Bruder vor 2 Jahren an der Reihe war und ein Motorrad ausfaßte, dachte ich im Herbst 2014, daß ich nun an der Reihe bin. Meine Wahl fiel auf nichts von den neuen Maschinen (neu ist relativ bei meinem Herrn Sen., bei ihm beginnt "neu" in den 70ern!), sondern - yes, auf die Horex.
Aber der Zustand war jämmerlich. Alles original, miefig-spießig - so ging das nicht. Ein bereits neu aufgebautes fettes Hinterrad (5.00 - 16) auf einer 4-Zoll (breiten)-Felge und ein für ein Chopper-Projekt um 90mm verlängertes Rahmen-Hinterteil waren die idealen Zutaten für meine "Dream-Machine".
Das war auch schnell eingebaut, aber dann ging es so langsam los. Auch Kettenschutz, Tachowelle, Antriebskette, Elektrik, Kotflügel brauchten die Anpassung an die neuen Rahmen-Gegebenheiten. Auch der verlängerte Rahmen selbst brauchte unsere Aufmerksamkeit. Aus dem "mal-so-nebenbei" Umbau wurde ein Projekt.
Mit dem Rahmenverstärken fing die Schweisserei an. Hier eine Halterung, dort eine Verstärkung - mit den zur Verfügung stehenden Schweißarten (Elektroden-Schweisser, Schutzgas-Schweißgerät) waren die Ergebnisse schrecklich.
Danach die Ernüchterung. Das Schweißgut ist sauhart und mit sanften Verschleifen des überschüssigen Materials war nichts zu machen. Die Radikal-Kur daher: Rausflexen der eingeschweißten Rohre und Halterungen und die verbliebenen Schweißgutreste fein-säuberlich wegflexen, bzw. -schleifen. Danach wurde mit einem inzwischen zur Verfügung stehenden Autogen-Zeugs mit neuangefertigten (Rohr-)Teilen das Ganze hartgelötet. Bei der Gelegenheit kamen noch seitliche Rahmenversteifungen dazu, um den verlängerten Rahmen zu stabilisieren.



Noch vor Weihnachten wollte ich mir unbedingt den Sound erstmals geben. Der extra angeschaffte Schalldämpfer, der eine leicht verkürzte Version eines Norton Commando-Schalldämpvers war, hatte wie sein Vorbild den sauberen Durchblick, wenn man durch eine der zwei Öffnungen schaut (bloß "an der Seite" war hinter einem gelochten Blech ringsum Glaswolle, wodurch bei niederen Drehzahlen Abgase seitlich verwirbelten und gedämpft wurden). Bei Vollgas geht alles sauber in der Mitte hinten raus!!! Im folgenden Video wird sie nach vielen Jahren Stillstandes erstmals wieder zum Leben erweckt.
Der Klang war echt vielversprechend. Obwohl der Raum hallte und die Drehzahl nieder gehalten wurde, klang es richtig gut. Erstaunlich auch, wie sauber der Motor nach wenigen Sekunden absolut stabiles Standgas hatte (Zündzeitpunkt war auf die Schnelle auf Daumen x Phi eingestellt).
Dann, in den milderen Jännertagen 2015 war der nächste Schritt fällig. Die ersten Meter auf der Strasse.
Hammer! Das Ding geht. Und in diesem Video kommt der Klang wahrheitsgetreu rüber.
Ich war glücklich. Leider nicht lange ....
(Fortsetzung folgt)
Da fehlt nun all das, was sich in den letzten 2 Monaten getan hat. Vorerst das Versöhnende: sie ist fertig und zurück auf der Straße. Ich, die "nächste Generation", teste erstmals aus, wie denn das so ist, wenn man in die mystische Sammelbox der Vergangenheit greift....