Die 1. Reise...
Gerade (15 Uhr) bin ich auf dem Rückweg irgendwo zwischen Kärnten und Wien unterwegs.
... und da er schwerlich während der Fahrt bloggen kann, macht das Blizzwerk, der Ältere.
Was bisher geschah:
Am Vorabend (22:30) der Abfahrt löste sich eine Schweißnaht an dem 6-kant-Stück, an dem der rechte Fußraster befestigt war. Also bin ich raus in die Werkstatt (1 Std. hin, 1 Std retour!), flink das Teil funktionsfähig gemacht , nach der Rückkehr in Wien gleich eingebaut und bei der Gelegenheit noch über ein paar andere Problemzonen "drübergegangen". Gibt ja nix Blöderes, als knapp vor der Abfahrt noch herumzangeln müssen ....
Am Samstag, (30.5.) um 8:00 ging's los. Richtung Kärnten, genauer: nach Ferlach. Freunde besuchen/ ein Versprechen einlösen, daß er - wenn die Maschine eeeeeendlich fertig ist, damit "runterkommt".
Das Wochenende ist kurz, wenn man am Sonntag spätestens um 23:30 in der Kaserne anwesend sein muß - sonst fällt die (Horex-)Ausfahrmöglichkeit am darauffolgenden Wochenende wegen des allseits unbeliebten SamSon (=Verbleib in der Kaserne übers WE - nicht als Anerkennung gedacht und auch nicht so erlebt!) aus.
Anstarten, losfahren, raus aus der Stadt - langsam an Fahrt gewinnen. Die ihm von mir empfohlenen 85-90 km/h Reisegeschwindigkeit werden allmählich "aufgestockt" - auf gut 100km/h. Bei der ersten Tankstelle wird vollgetankt dabach gehts weiter ... so hätte es sein sollen! Losfahren war nämlich nicht! Motor spotzt, stirbt ab. Die Regina wird auf eine Parkfläche geschoben und das Ganze mal setteln gelassen. Bei einer Zigarette. Der Blick wandert über alle potentiell schuldigen Fahrzeug-Komponenten. Ist was locker? Sonstiges Verdächtiges?
Kann ja nur - meist - eines von 2 Dingen sein.Zündfunke oder Benzin. Der Weg des Benzins ist diesmal der Hauptverdächtige. Denn durch die elektronische Zündung heißt es dort: alles geht oder "vergiß es" (bzw du hast ganz zufällig eine Reserve-Zündungseinheit mit - eine eher komplexe Sache mit diesen ganzen Elektronik-Komponenten, die wir irgendwie unterm Tank untergebracht haben!).
Und da war es auch schon. Die Verschraubung des gerieffelten Ringes, der oben über dem Vergaser-Schieber sitzt, war vollkommen locker. Da kam jede Menge Falschluft rein - und kaum der nötige Unterdruck zustande, um das Benzin dazu zu überreden, sich willig ansaugen zu lassen. Angezogen (wünschenswerter Weise behutsam!!!!) mit eine Zange (und hoffentlich mit dem stets in einem Bordwerkzeug befindlichen "Fetzen" zwischen Zange und Anzuziehendem - diese Vergaserteile sind aus einem ziemlich weichen, trotzdem spröden Zink-Aluminium-Guß-"Gebräu"!!!!).Motor läuft nun wieder, als wäre nichts gewesen.
Weiter gehts. Irgendwo am Semmering dann ein grauenhaftes Rattern und Arbeiten "von hinten". Irgendwas mit dem Hinterrad vermutlich. Ausgerechnet während einer Durchfahrt in einem Tunnel! Das fällt gleich ab - und ich mit vom Motorrad, schießt es durch den Kopf. Schnell in die nächste Notbucht im Tunnel (ein blöder Ort für eine Panne). Alles checken. Achse? Ist fest. Kotflügelstreben? Stoßdämpfer? Alles, wie es sein soll. EiIne Schraube bei der Kettenkasten-Halterung ist fast ganz herausgedreht - nichts Besonderes ... aber sonst? Nichts! Also vorsichtig weiterfahren. Irgendwo im Freien danach nochmals auf Fehlersuche gehen, die vorbeirollenden LKWs machen einen noch wahnsinnig, denkt er sich vermutlich!
Jetzt ist der Tunnel gerade vorbei und - ??? - das Geräusch auch! Hä?
Im Weiterfahren arbeitet das Gehirn an der Lösung: die Bodenbeschaffenheit! Im Tunnel waren Bodenrillen (die natürlich in der relativen Dunkelheit nicht so auffallen). Die haben, zusammen mit der recht bescheidenen Dämpfung am Hinterrad, zu diesen Vibrationen geführt. Alles also im grünen Bereich.
Weiter geht's. Die ausgesuchte Route ist nicht die todlangweilige "Süd", sondern etwas abseits (ein Kompromiss zwischen "Scenic Route" und "schnell am Ziel ankommen". Es geht über die Pack, der Motor singt sein Lied, die Stunden der Fahrt bringen immer mehr Vertrauen und "Erfahrung". Dann nochmals ein erzwungener Stop durch lautloses Ausrollen der Horex.
?? Benzin? Ein Blick in den Tank. Da schwappt es noch. Nicht viel, aber doch! Nachdenkpause (=Zigarette. EIgentlich eine ideale Kombination. Kaum vorzustellen, wenn es - mangels Defekte - keinen Grund gibt, stehen zu bleiben - wo bleibt da "die Bedienung der Sucht"!!!!). Dann die Lösung. Der Tankstutzen sitzt rechtsmittig, das sichtbare Benzin ist in der rechten Tankhälfte. Der NSU-Konsultank hat 2 Benzinhähne - weil die 2 Tankhälften am Ende von einander nichts mehr wissen wollen - was die Benzinverteilung betrifft. Und ... - richtig: Hugin hatte nur den linken Benzinhanh aufgedreht. Also rechts aufgedreht und weitergefahren. Bis ans Ziel. Eigentlich hätte es eine Zieleinfahrt geben müssen, mit jubelnden Zuschauern und ausreichender Würdigung dieser Pioniersleistung. Egal, im Ausschütten von Glückshormonen sind echte Alteisen-Reiter ganz vorne dabei. DIe wissen, was sie Besonderes sind. Is' so!
(den Inhalt der Hinfahrt habe ich in einem Telefonat am Samstag um 16:30 erfahren. Da habe ich die Nerven geschnissen und angerufen. Ich bat ih ja um eine kurze Nacxhricht, wenn er angekommen ist. Prinzipiell ist es ja schön, wenn kein Anruf während der Fahrtzeit kam. Das bedeutete ja, daß es keine Probleme gab. Aber am späteren Nachmittag hätte er schon längst angekommen sein sollen. War er auch. Um 13:00, genauer gesagt/geschrieben. Herrje, diese Jugend ...läßt den Vater doch glatt im Ungewissen ....)
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Und heute, Sonntag den 31. Mai geht es wieder retour. Abfahrt war so um 13:00 Uhr. Um 16:00 Uhr dann ein Anruf aus Höhe Leoben. Alles läuft soweit, nur der rechte Krümmer hat sich etwas vom Zylinderkopf-Stutzen gelockert (und ich hab den Krümmer Samstag "früh" wirklich sorgfältig angezogen!).
Irgendwo da draußen hämmert nun die gute Horex ihr Lied. Über die Stunde wird es mehr und mehr zu einem beruhigendem Klangteppich werden. Der Stoff, der die nächste Woche beim Heer in Gedanken und Träumen weiterwirkt und die Zeit verkürzt.

Um 18:00 dann ein zufälliges Treffen auf der Triesterstraße. Hugin auf der Hugin-Horex und ich im Auto - mit gleichem Fahrziel. Hatte im Stillen dran gedacht, daß sich das ausgehen könnte, als ich losfuhr, aber daß es sich WIRKLICH ausgeht, ist schon ein Zufall.
Die restliche Fahrt der Horex war lt. seiner AUssage unspektakulär. Die Öl-Temperatur stieg dank Ölkühler und externem Ölfilter nie über 65 Grad. An so einem schwülen Sommertag wie heute ist das schon ein (Kühl-)Segen für einen Motor, der noch in den 30er Jahren konstruiert worden ist.
Morgen geht die Horex mit mir zu einem Kontroll-Check in die Werkstatt, denn Ende dieser Woche mit dem verlängerten Wocheende, beginnend mit Donnerstag (Fronleichnam) geht es wieder los. Die nächste Reise nach Kärnten steht an. Sind bloß 700km hin und retour ....
Viele Verbesserungen liegen noch vor ihr. Eine Liste der lockerungsanfälligen Schrauben und Muttern muß abgearbeitet werden. Die Spur muß eingestellt werden - Vieles, das noch fehlt - aber nichts davon hindert meine (jetzt, schnief - seine) Horex Regina daran, zu laufen, wie es sein soll. Wenigstens ein Ding im Leben, daß meinen Traum- und Sehnsuchts-Satz vermittelt:
ich geh' mit dir bis ans Ende der Welt. Bloß, daß sie eben fährt!
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